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Freitag, 03.09.2010
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Aus der Serie ›Unser Gimmi‹ soll heute eine Geschichte erzählt werden, die sich in den fünfziger Jahren ereignete. Es war die Zeit, in der die Sexta noch Selecta hieß und die beiden obersten Klassen Unter- und Oberprima. Es ist eine wahre Geschichte, die ein damaliger Primaner dem Autor dieser Zeilen erzählt hat mit der Beteuerung, dass sie tatsächlich stattgefunden hat und er dabei war. Dazu muss man vorab wissen, dass das Verhältnis Lehrer/Schüler (Sextaner) damals mit den heutigen Verhältnissen überhaupt nicht zu vergleichen ist. Lehrer und Schüler lebten bis auf wenige Ausnahmen ein Eintracht miteinander, zumindest bis zum Jahre 1948, als dann junge Lehrer aus dem Kriege – am Anfang kaum versorgt – nach Hause kamen und erst einmal dafür sorgen mussten, eine gesicherte Existenz zu schaffen, wobei auch oft ein gewisses Nachstudium notwendig war. Dadurch kam es oft zu angespannten Situationen. Ende der fünfziger Jahre war es wieder möglich, eine Klassenfahrt – so nannte man das auch ins benachbarte Ausland zu machen, besonders nach Frankreich. Und so fuhr die damalige Oberprima mit ihrem Klassenlehrer mit dem Zug nach Paris, um die Stadt, die Umgebung und besonders die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Französischkenntnisse hatte man ja, vor allem wusste man, dass ›reisen nach Paris‹ nicht ›partir de Paris‹ sondern richtigerweise ›partir pour Paris‹ hieß. Diese Worte stammen aus der Zeit, als auch noch das Wort ›quoi‹ verwendet wurde. Man erinnere sich an die Frage »Quoi de nouveau?« frei übersetzt: »Gibt es etwas neues?« Die gefällige Antwort war: »Rien, monsieur«, »quoi« sagt heute keiner mehr. Bei der Fahrt war der Klassenlehrer als Reiseleiter und Verantwortlicher dabei. In Paris angekommen, wollte man mit der METRO weiterfahren. Man fand keine Station, und so sprach der ›Reiseleiter‹ einen zufällig vorbeikommenden Polizeibeamten an mit den Worten: »Bon jour monsieur, executez moi, ou est METRO-Station?« Die Schüler erstarrten, der Polizeibeamte grinste. Der Lehrer hätte sagen müssen »Excusez moi« (Entschuldigung) und nicht »executez moi«. Das heißt nämlich frei übersetzt: »Bring mich um«. Der Polizeibeamte, der die Situation erfasste, sagte dann: »Ah, METRO-Station, labas« (dahinten) und zeigte in Richtung Bahnhofsvorplatz. Man erreichte das gewünschte Ziel, der Klassenlehrer konnte aber eine gewisse Heiterkeit seiner Schüler auch danach nicht verhindern zumal der Lehrer es im Lateinunterricht mehr als genau nahm, insbesondere beim Abfragen von unregelmäßigen Verben und Deponentien. (z.B. bibere, bibi, potum = (Trinken). Offensichtlich waren aber die Französischkenntnisse nicht so ausgeprägt, mit anderen modernen Worten ›nicht so sein Ding‹. Naja. Man sieht, dass jeder einmal gewisse Worte in der Aufregung oder auch aus Unkenntnis verwechseln kann. Über dieses Erlebnis wurde noch viele Jahre lang nicht nur in Schülerkreisen gesprochen und von Oberprima zu Oberprima weitergegeben. Später erreichte die Geschichte auch einen Bopparder Bürger.


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